Mit etwa 6.000.000 Euro zahlt ihr Studierenden fast 10% des gesamten Haushaltes der HSNR. Gelder, die per Gesetz nur zur Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen sowie für den Ausfallfonds verwendet werden dürfen. Ob von Verbesserung nach einem Jahr schon was zu spüren ist, will der AStA jetzt mit einer Online-Umfrage herausfinden.
Doch der Zwischenstand lässt böses ahnen: Weit über 3/4 der Studierenden haben bisher nichts gemerkt. Deswegen sprachen wir mit dem AStA:
Im Jahr 2006 wies die HS Niederrhein in ihrer Bilanz einen Gesamtetat von 54.343.096 Euro aus. Der Haushalt erfuhr 2007 einen kräftigen Schub und konnte mit 61.468.066 Euro beziffert werden, und das, obwohl der Zuschuss im Globalhaushalt des Ministeriums um über 1.000.000 Euro geringer ausfiel als 2006.
Zu diesem Schub trugen vor allem die Studierenden der Hochschule bei. Da im Wintersemester 06/07 nur die Erstsemester Studiengebühren zahlen mussten, konnte die Hochschule von ihnen 624.666 Euro einnehmen. Ab dem SS 07 wurde die Beitrags- bzw. Gebührenpfl icht auf alle Studierenden ausgedehnt. Entsprechend konnten hier Zusatzeinnahmen in Höhe von 5.281.802 Euro verzeichnet werden.
(Quelle: Bericht des Rektorats für das Jahr 2006, Bericht des Rektorats für das Jahr 2007)
2. Wofür wurden die Studiengebühren im letzten Jahr genutzt?
Der AStA erhielt von Prorektor I, Prof. Dr. Michael Lent, im Laufe des SS 08 eine Auflistung, die die Verwendung der Studiengebühren grob beschreibt. Auszug:
Die „Verbesserung der techn. Ausstattung (Hörsäle u. Labore)“ nimmt mit 42,8% den größten Teil ein, gefolgt von „Aufstockung Lehrpersonal für fachliche Veranstaltungen“ mit 24,2%, „Angebote zur Vermittlung von Soft Skills“ und „Tutoren/Mentorenprogramme“ mit je 9,3%, „Öffnungszeiten, Ausstattung der Bibliothek“ mit 6,4%.
Diese Übersicht sieht der AStA als völlig unzureichend an. Sie verrät beispielsweise nicht, welche Geräte in welcher Anzahl für die Verbesserung der technischen Ausstattung angeschafft wurden, welche Baumaßnahmen im einzelnen mit den Gebühren finanziert wurden oder was sich hinter dem Kürzel „etc.“ bei „Sonstiges“ verbirgt.
Die einzelnen Fachbereiche könnten hier für Klärung sorgen, doch liegen dem AStA trotz Nachfragen aus den Fachbereichen keine Zahlen vor.
3. Welche Verbesserungen wurden im letzten Jahr umgesetzt?
Ob es sich bei den umgesetzten Maßnahmen (siehe Auszug unter Punkt 2) tatsächlich um Verbesserungen handelt, fällt schwer zu beurteilen, da die gewünschten Effekte zeitlich verzögert eintreten werden und mit Sicherheit auch unterschiedlich beurteilt werden können. Meist scheitert eine qualifi zierte Aussage darüber schon daran, dass zwischen der Verbesserung der Lehre und der Verbesserung der Studienbedingungen (bewusst?) nicht differenziert wird.
Allgemein lässt sich sagen, dass in den letzten Semestern seit der Einführung der Studiengebühren fast ausschließlich die Verbesserung der Studienbedingungen im Vordergrund stand. Eine Verbesserung der Lehre konnte über viele Gespräche mit Studierenden weitestgehend nicht festgestellt werden. StudentInnen einiger Fachbereiche in Mönchengladbach zeigen sich deswegen sogar sehr entrüstet und fühlen sich betrogen.
Diese Investitionen in die Verbesserungen der Studienbedingungen lassen sich dabei gleichsetzen mit Hochschulfinanzierung, die unter anderem darauf hinzielt, der Hochschule zu einem verbesserten Ruf und Image zu verhelfen, wobei unter der Oberfläche vieles beim alten geblieben ist.
Das heißt, die Forderung des Gesetzgebers, die Studiengebühren für die Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen einzusetzen, wird nur einseitig zugunsten der Hochschulfi nanzierung unter dem Deckmantel der Verbesserung der Studienbedingungen bedient.
Bei allen Möglichkeiten der Verbesserung der Lehre: Der Einsatz von Studienbeiträgen zu diesem Zweck ist KEIN legitimes Mittel, sondern die Pfl icht des Landes und des Bundes. Studienbeiträge sind grundsätzlich ein illegitimes Mittel, mit dem sich Land und Bund aus der Gesamtverantwortung für Bildungsfinanzierung herausziehen!
4. Wo seht ihr als AStA Möglichkeiten zur Verbesserung der Lehre?
Die Studienbeiträge der vergangenen Semester sind überwiegend in die Verbesserung der Studienbedingungen gefl ossen. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass aus den Studiengebühren auch zusätzliche Stellen für Lehrbeauftragte finanziert werden. Doch dies reicht bei weitem nicht aus. Vielmehr müssen mehr ProfessorInnenstellen geschaffen werden, um primär der Überlast der Hochschule von 138% zu begegnen. Vorrangiges Ziel, um die Situation der Lehre effektiver zu gestalten, muss sein, dass den Studierenden eine solide Basis, eine Grundversorgung zur Verfügung steht. Bei einer solchen Überlast gestaltet sich dies in einigen Fachbereichen schwierig.
Doch Studiengebühren dürfen nicht für die Finanzierung zusätzlicher ProfessorInnenstellen verwendet werden. Ebenso dürfen Studiengebühren nicht benutzt werden, um die Grundversorgung der Studierenden zu gewährleisten.
Eine Verbesserung der Lehre kann erreicht werden, wenn Veranstaltungen, die das Studium beinhaltet, in überschaubaren Gruppen stattfi nden, in denen eine angemessene Betreuung der Studierenden möglich ist und in denen individuellen Anliegen individuell begegnet wird. Solche Veranstaltungen dürfen nicht zu Massenveranstaltungen verkommen.
Eine weitere Verbesserung der Lehre kann erreicht werden, wenn Inhalte der Lehrveranstaltungen regelmäßig aktualisiert und an die Erfordernisse für einen erfolgreichen Berufseinstieg angepasst werden. Oftmals müssen sich die StudentInnen relevantes Wissen neben dem Studium selbst aneignen, da Lehrinhalte überholt sind oder Entsprechendes schlichtweg nicht angeboten wird.
Bisher gelang es über weite Strecken nicht einmal, die Lehrinhalte dem verkürzten Bachelorstudium anzupassen.
5. Wie lange können die Studierenden noch an Eurer Umfrage teilnehmen?
Die Umfrage wird definitiv bis zur nächsten Senatssitzung am 15.12.08 laufen.





